22.02.2010, 15:07 Uhr | jmi
Fische fressen sich. (Foto: imago)
Gerade noch konnte man Guppies, Platies und Neons fröhlich nebeneinander schwimmen sehen – das perfekte Aquariumidyll. Doch plötzlich fehlen einzelne Fische und nach und nach werden es immer weniger einer Art. Woran liegt das? Die Fische können sich nicht leiden und fressen sich gegenseitig, sagen viele. Wir haben einen Experten gefragt, ob es tatsächlich kannibalistische Fische gibt. Lesen Sie hier, welche Arten zusammenpassen und wie man Ärger im Becken vermeidet.
Enttäuschung beim Aquarienbesitzer. Wieder fehlt ein kleiner Fisch. Der Sachverhalt scheint klar zu sein: Die verschiedenen Fischarten vertragen sich nicht, und der größere Fisch hat sich des störenden kleineren kulinarisch entledigt. Der Heißhunger der Fische kann ein Grund dafür sein, dass Artgenossen verschwinden, weiß Aquarienexperte Florian Lahrmann vom Verband Deutscher Vereine für Aquarienkunde. Das passiert aber nur dann, wenn man Fische gemeinsam in ein Becken setzt, bei denen der eine den anderen grundsätzlich als Futter ansieht. „Das kann durchaus auch bei gängigen Aquarienfischen der Fall sein, die man oft zusammen sieht und die auch in der Natur zusammen vorkommen, zum Beispiel Skalare und Neonsalmler.“
Neonsalmler gehören zur natürlichen Beute ausgewachsener Skalare. Wenn man also beide Arten im Aquarium vergesellschaftet, die Skalare schon groß sind, die Neonsalmler aber noch sehr klein, dann müsse man sich über eine schwindende Anzahl der kleinen Schwarmfische nicht wundern, gibt Lahrmann zu bedenken. Ein ähnliches Schicksal blüht auch Fischen in der Gesellschaft von Einzelgängern. „Schlangenkopffische zum Beispiel verschlingen jeden Mitbewohner, den sie irgendwie in ihr riesiges Maul bekommen“, warnt der Experte. Im Fachhandel erfährt man, welcher Fisch welchen Artgenossen als Zwischenmahlzeit ansieht und wer prinzipiell lieber für sich bleibt.
Zum Glück ist das große Fressen unter den Fischen aber eher selten. Meistens hat es andere Gründe, wenn eine Population plötzlich schrumpft. „Wenn Fische auf natürlichem Wege sterben, liegen sie manchmal unentdeckt in irgendeiner Ecke des Aquariums und werden biologisch abgebaut. Fleischfressende Mitbewohner verzehren durchaus gerne einen Teil des verrottenden Leibes, den Rest besorgen Schnecken und Bakterien“, so Lahrmann.
Viele Fischarten neigen dazu, dass Aquarium mit einem tollkühnen Sprung aus dem Wasser zu verlassen. Lahrmann warnt: „Oft nutzen die Fische einen Spalt in der Abdeckung für einen Ausflug auf den Wohnzimmerteppich. Von dort zappeln sie sich dann unter irgendwelche Möbel, wo man sie unter Umständen beim nächsten Umzug als Trockenfisch wieder findet.“ Daher gilt es, die Aquarienbewohner mittels einer sorgfältigen Abdeckung an ihrem Sprung ins Trockene zu hindern.
Selten ist es Kannibalismus unter den Fischen, der einzelne Exemplare verschwinden lässt. Doch gibt es einiges zu beachten, wenn man den Beckenfrieden langfristig sichern will. Um die Größe des Aquariums optimal zu nutzen und Gerangel um Lebensräume zu vermeiden, sollte man Fische wählen, die unterschiedliche Regionen bevölkern. „Eine Art, die direkt unter der Wasseroberfläche schwimmt, eine weitere, die als Schwarm den freien Schwimmraum in der Mitte nutzt. Dazu eine, die in Bodennähe Reviere bildet und schließlich eine Art, die direkt über den Aquarienboden gründelt“, rät Lahrmann.
Außerdem ist es wichtig, gesellige Arten wie Barben, Salmler, Guppies und Platies auch tatsächlich in der Gruppe zu halten. „Einzeln gehaltene Tiere können sich manchmal zu Rabauken entwickeln, die alle anderen Mitbewohner nerven.“ Strapazierte Fische entspannen sich auch durch ausreichende Verstecke. Geeignet dafür sind Wurzeln, Pflanzen und Steine am Grund des Beckens. Auch bei der Zusammenstellung einer passenden Gesellschaft rät der Experte dazu, sich vorher gut zu informieren.
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