16.01.2009, 12:26 Uhr | Claudia Ottilie
Der Tasmanische Teufel ist vom Aussterben bedroht. (Foto: Claudia Ottilie)So stellt man sich ein dämonisches Wesen vor: schwarzes Fell, dunkle, geheimnisvolle Augen, leuchtend rote Ohren, genauso gespitzt wie die Zähne in seinem aufgerissenen Maul. Die kleine, gedrungene Kreatur kauert in ihrem Habitat und blinzelt in die Sonne. Sie gähnt, reißt dabei die kleine Schnauze weit auf, dann rollt sie sich zusammen und döst ein. Der Tasmanische Teufel genießt einen zweifelhaften Ruf. Wenn er gereizt knurrt und faucht, wird er seinem diabolischen Ruf gerecht. Doch sonst erfreut das Beuteltier mit seinen schwarzen Knopfaugen und seiner Seltenheit die Besucher eines Wildparks in Tasmanien, der Insel südlich von Australien.
Kaum vorstellbar, dass diese putzigen Tierchen die vierfache Beißkraft eines Hundes besitzen sollen. Urbane Mythen hat man um sie gesponnen, sogar von Angriffen auf Menschen ist die Rede. „Alles Quatsch!“, lacht der Parkranger. „Die sehen, dass wir Menschen um einiges größer sind als sie selbst. Wir passen nicht in ihr Beuteschema. Sie verteidigen sich höchstens.“
Die Teufel auf der größten australischen Insel sind das Wahrzeichen des Bundesstaates. Und sie sind wahrlich arme Teufel. Seit Mitte der neunziger Jahre grassiert ein Gesichtskrebs (Devil Facial Tumour Disease) unter den possierlichen Tieren - leicht übertragbar und bislang unheilbar. 89 Prozent der Teufelpopulation haben sich bereits durch gegenseitiges Beißen infiziert und sind verendet. „Seit 1996 stehen die Tasmanischen Teufel auf der Liste der bedrohten Tierarten. Ihr Bestand halbiert sich jährlich“, erklärt Leanne Green, Direktorin des Something Wild Wildlife Sanctuary in Glenorchy. In ihrer Wildstation leben derzeit 30 gesunde Teufel, die als Teil des „No Injury“ Zuchtprogramms für gesunden Nachwuchs sorgen. „Mit hormonellen Messmethoden wird die Empfängnis der Teufelinnen kontrolliert und der ideale Zeitpunkt für die Paarung bestimmt, danach werden sie sofort wieder getrennt“, erläutert Leann. Dieses unromantische Unterfangen ist überlebenswichtig, denn zum teuflischen Paarungsritual gehört das Beißen. „Im gleichen Gehege können sie sich zu Tode beißen. Deshalb geben wir sie auch nicht in Zoos.“
Leann möchte die Teufel nicht nur in ihrer Heimat belassen, sondern die Insellage Tasmaniens bietet außerdem eine natürliche Quarantäne. Trotz allem ist die engagierte Tierschützerin optimistisch: “Unsere Teufel sind einmalig und wertvoll. Sie stehen kurz vor dem Aussterben, aber mit diesem Programm erhalten sie eine reelle Chance, um ihr Überleben zu kämpfen.“ Auf einem kleinen Teil des insgesamt 480 Hektar großen Geländes des Something Wild können sich Besucher unter anderem über die Schutzorganisation „Devils in Danger“ informieren und nicht nur mit Teufeln auf Tuchfüllung gehen. Verwundete und verwaiste Wombats bekommen von Leann und ihrem Team ebenso Heim und Pflege wie einige Koalas, Opossums, Quolls, Kängurus, Wallabies, Emus und Schnabeltiere. Wer einmal kuschelweiche Koalas und struppige Womats streicheln durfte, versteht augenblicklich, wie die Begegnung mit den knuddeligen Beuteltieren Parkbesucher für deren Hilfsbedürftigkeit sensibilisieren und den Schützer im Tierliebhaber wecken soll.
Teufel sind zwar keine Kuscheltiere, dennoch gilt Ritchie, Rachel und Co. die größte Aufmerksamkeit im Park. Ihre Einzigartigkeit sorgt für einen regen Besucherstrom und finanziert das Fortbestehen des Parks wie des Zuchtprogramms, denn staatliche Hilfe erhalten die Greens nicht. Die Wildstation baut ausschließlich auf Spenden, Tierpatenschaften und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, denn dem Tasmanischen Teufel soll es nicht wie seinem entfernten Verwandten, dem Tasmanischen Tiger, ergehen. Von dem erzählt man sich unbeirrbar und ungläubig, dass er manchmal noch in den wilden Wäldern der Insel gesichtet wird. Tatsächlich gilt der Beutelwolf seit 1936 als ausgestorben. Er wurde zum Symbol für verspätete Hilfe und verpassten Einsatz. Wenn die Teufel zu Engeln würden, da ist sich Leann Green sicher, träfe das die tasmanische Gesellschaft tief. Aus vergangenen Fehlern lernen, ist daher die Devise der Stunde, Teufels- und Umweltschützer sind in Rettungsbereitschaft.
Claudia Ottilie
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