29.12.2009, 11:10 Uhr | ug
Milch schlürfen die Kleinsten aus der XXL-Nuckelflasche und die Älteren verputzen locker hunderte Kilos Bambus, Bananen oder Palmenwedel pro Tag: So sieht der Essensplan aus, wenn 80 Elefanten im Waisenhaus leben. Und jeden Nachmittag geht’s mit riesiger Rüsselfreude für zwei Stunden zum Plantschen in den nahegelegen Fluss. Wir waren zu Besuch im Elefantenwaisenhaus in Pinnawela in Sri Lanka. Das sind die schönsten Bilder und Geschichten.
Zunächst treffen wir an der Sammelstelle auf dem Waisenhausgelände ein. Hier schmatzen, schmusen oder spielen alle 80 Elefanten um die Wette – einige sind erst wenige Monate alt. Andere leben seit der Gründung der Station 1975 hier oder Wärter haben sie seitdem aufgesammelt, wenn sie in der Wildnis verwaist oder verletzt wurden. Zusammen bilden sie damit eine der größten zusammenlebenden Elefantenherden auf der Welt, wie uns ein Parkmitarbeiter erzählt.
Auf dem Gelände gibt es extra eine Futterstelle für die kleinen Elefantenbabys, wo sie regelmäßig vom Personal gefüttert werden. Diesmal warten zwei auf die Extra-Portion Milch. Damit Ihnen beim Warten auf die Wärter nicht langweilig wird, liegen Baumstämme und Palmenwedel bereit. An ihnen knabbern die Jungtiere schon wie die Großen. Zwischendurch bleibt Zeit für kindische Spielereien: Dann kicken sie ein bisschen den Stamm hin und her, schaben mit den Vorderbeinen die Rinde ab oder klauen einem anderen Jüngling seine grünblättrige Futterration – die schmeckt sicher viel leckerer!
Nur diejenigen Babyelefanten, die ohne Eltern hier leben, werden noch mit der Milchflasche aufgezogen. Ihre Familie sind dem Krieg, dem Straßenverkehr oder der Elfenbeinjagd zum Opfer gefallen. Wer das Glück hat, im Waisenhaus geboren zu sein, bekommt natürlich von Mutti persönlich die Milch. Neben Verwaisung haben einige der hier lebenden Elefanten auch andere Schicksale erlebt. So ist ein Dickhäuter auf eine Landmine getreten und humpelt seitdem tapfer auf drei Beinen dem Rudel hinterher. Ein anderer entkam zwar den Elfenbeinjägern, musste dabei jedoch sein Augenlicht lassen und ist seit Jahren auf beiden Augen blind.
Mit bestimmten Befehlen und Lauten verständigen die Wärter sich mit den Dickhäutern, die Menschen sind ihre Ersatzväter geworden. Das Elefanten-ABC umfasst 26 Laute, die Vierbeiner parieren den Zweibeinern bestens. „Dahaa!“ rufen die Wärter immer wieder, als sie die Herde Richtung Maha-Oya-Fluss antreiben. Das heißt so viel wie „Weiter geht’s!“ Dorthin kommt die gesamte Herde täglich, um zu baden. Auch die Kleinsten gehorchen – oder trotten eben einfach Mama, Papa und Stiefgeschwistern hinterher. Ohnehin bleiben die Kleinen stets in Rüsselnähe, werden von den Großen immer wieder beschützend in die Mitte genommen. Nach etwa 300 Metern von der Waisenstation haben alle ihr Ziel erreicht: Willkommen im natürlichen Plantschparadies!
Was die Elefanten im, am und rund um den Fluss treiben? Ein erwachsenes (Eltern-)Paar zum Beispiel steht sich gegenüber, kühlt seine Füße und scheint froh zu sein, dass die Kleinen sich mal selbst beschäftigen. Ein junges Trio wird nicht müde, immer wieder eine neue Runde Rüsselreigen zu spielen. Wer den anderen damit unter Wasser drücken kann, gewinnt wohl. Andere marschieren auf die andere Flussseite, wälzen sich am entgegen gelegenen Ufer im Schlamm und probieren, ob das Palmengrün dort nicht besser zu vernaschen ist. Wer so viel Spaß hat und Zeit miteinander verbringt, will scheinbar gar nicht mehr zurück – auch wenn die Wildnis eigentlich ihr Zuhause ist. Doch in Freiheit könnten die Vierbeiner heute gar nicht mehr leben, zu sehr haben sie sich an ihre Ersatzeltern, die Menschen, gewöhnt. Und würden immer wieder ihre Nähe suchen oder zurück zum Waisenhaus kommen.
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