02.08.2010, 13:50 Uhr | Linda Freutel
Der angeborene Jagdtrieb ist vielen Hunden nur schwer abzugewöhnen. (Foto: imago)
Egal, wie treu er schaut oder wie artig er Pfötchen gibt: In jedem Hund steckt ein Jäger. Das Aufspüren, Hetzen und sogar Reißen von Wild ist bei Hunden ein natürliches, angeborenes Verhalten. Selbst mit einem gezielten Anti-Jagd-Training kann man das Jagen nicht völlig abgewöhnen. "Man kann es aber in koordinierte Bahnen lenken und somit einen verlässlichen Gehorsam erreichen", ermutigt Martina Friedrichs, Tierärztin und Hundtrainerin aus Hannover. Die Expertin verrät die besten Trainingsstrategien.
Was ist eigentlich jagen? Die Hundetrainerin definiert den Begriff so: "Das Jagen ist ein selbstbelohnendes Verhalten, das nicht nur das Treiben oder Fangen von Beute meint, sondern schon mit dem optischen Fixieren oder dem Nachgehen einer Spur beginnt" Durch dieses Verhalten Glückshormone ausgeschüttet, die den Hund regelrecht kopflos machen können. Der Jagdtrieb und der damit verbundene Glücksrausch ist bei jedem Hund unterschiedlich ausgeprägt. "Grundsätzlich sollten aber alle Hundebesitzer, ihren Hund auf diese Verhaltensweisen hin beobachten, um früher zu bemerken, wann eine Jagd bevorsteht", rät Friedrichs.
Besonders Hunde, die bereits Erfolg beim Jagen hatten, haben den Drang, wieder auf die Pirsch zu gehen. Um dem Hund das Jagen abzugewöhnen, eignet sich ein Training mit einer Schleppleine. Dabei handelt sich um eine circa zehn Meter lange Leine, die je nach Trainingsstand in der Hand geführt oder später auf dem Boden schleifen gelassen wird . "Die Leine dient dabei nicht als Strafe, sondern Möglichkeit der Kontrolle“, erklärt die Hundetrainerin. „Der Hund kann sich zwar bewegen, ist dabei aber so gesichert, dass er nicht ausbüchsen kann."
Viele Hundebesitzer ärgern sich, wenn ihr Hund trotz beherzter Rückrufe das Weite sucht. "Das Nicht-Hören des Hundes kann durch den Menschen unbewusst verstärkt worden sein", verrät die Expertin. Vor allem am Anfang der Trainingszeit machen viele Besitzer Fehler. Sie rufen den Hund in einer Situation, in der er ohnehin stark abgelenkt ist, zum Beispiel während er mit anderen Hunden spielt. Reagiert der Hund nicht auf das Kommando verliert es irgendwann an Bedeutung. Besser ist es, das Kommando zunächst in reizarmen Situationen zu üben bis es sich gefestigt hat und der Hund verlässlich hört. Dann kann man das Signal auch in schwierigen Situationen einsetzen, etwa wenn der Hund eine Fährte aufnimmt.
Völlig abtrainieren kann man einem Hund den Jagdtrieb nie. "Ziel des Trainings ist es, den Hund in Begegnungen mit Wild kontrollieren zu können", so Friedrichs. "Würde man das jedoch durch eine Unterdrückung des Triebes versuchen, entstünde beim Hund Frust und daraus ein Ungehorsam." Der Hund sollte seinen Jagdtrieb also auch beim Anti-Jagd-Training ausleben dürfen. "Allerdings in gewissen Grenzen und in Zusammenarbeit mit seinem Menschen", betont die Expertin. Geeignet seien Hetzspiele mit einem Spielzeug, das an einer Schnur über den Boden gezogen wird, Apportier-Einheiten, gemeinsames Buddeln nach einem Spielzeug oder das Aufspüren einer vom Menschen gelegten Geruchsspur.
Genau wie wir Menschen möchten auch Hunde nicht nur körperlich, sondern auch geistig ausgelastet sein. Bietet ihr Besitzer ihnen nicht genügend Beschäftigung, suchen sich viele Hunde selbst eine – auch so entsteht unerwünschtes Jagdverhalten. Die Expertin rät: „Lassen Sie Ihren Hund daher ruhig für sein Futter arbeiten.“ Füllen Sie seine Tagesration beispielsweise in einen Futterbeutel, den Sie werfen oder verstecken und den der Hund zu Ihnen bringen muss. Sie können auch Futterbrocken ins hohe Gras werfen oder unter Laub verstecken.
Damit der Hund in aufregenden Situationen konzentriert ist und bei seinem Herrchen bleibt, empfiehlt Friedrich das Signal "Schau mich an" aufzubauen. Hierbei soll der Hund obwohl er abgelenkt ist über eine gewisse Zeit Blickkontakt zu seinem Menschen halten. Um dieses Signal zu trainieren, nimmt man etwas Futter in die geschlossene Hand, lässt den Hund kurz daran schnüffeln und führt die Hand dann zum eigenen Kinn. Wenn der Blick des Hundes der Hand folgt und damit auf das Gesicht des Menschen gerichtet ist, fügt man das Wort "Schau" hinzu, lobt den Hund und gibt ihm das Futter. Die Zeiträume des Anschauens werden dann schrittweise ausgedehnt.
Verzweifeln Sie nicht, wenn Ihr Vierbeiner einmal einem Hasen nachstellt. So reagieren Sie richtig: "Haben Sie Ihren Hund an der (Schlepp-)Leine, nehmen Sie ihn einfach aus der Situation heraus. Versuchen Sie nicht ihn zurückzurufen, wenn keine Aussicht auf Erfolg besteht. Gehen Sie einfach kommentarlos in eine andere Richtung", rät Friedrichs. Ist der Hund hingegen ohne Leine entwischt, warten Sie ab. Bleiben Sie an der gleichen Stelle stehen, damit Ihr Hund Sie wiederfindet. Auch hier gilt: "Kommt der Hund zurück, strafen Sie nicht, sondern gehen Sie kommentarlos weiter und setzen Sie konsequent das Training fort." Wie in allen Hundeerziehungsfragen gilt auch hier: Geduld, Ruhe und Konsequenz sind die Schlüssel zum Erfolg. "Klingt mühsam. Ist aber wirksam", verspricht die Expertin.
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Linda Freutel
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