04.02.2009, 14:29 Uhr | Susanne Reininger
Wer einen Hund besitzt, sollte auch die Hundesprache beherrschen. (Foto: Archiv)Um „Hündisch“ zu verstehen, muss man als Zweibeiner seinen Hund aufmerksam beobachten. Denn Vierbeiner haben eine sehr komplexe Laut- und Körpersprache: Sie bellen, knurren, blinzeln mit den Augen, spitzen die Ohren, lecken sich das Schnauze, sträuben das Fell oder wedeln mit dem Schwanz. Diese Signale äußert der Hund je nach Situation in ganz unterschiedlicher Kombination. Hundehaltung setzt deshalb einiges an Wissen über die Hundesprache voraus. Nur so kann ein Halter ohne Missverständnisse mit dem eignen Hund umgehen, aber auch Begegnungen mit fremden Hunden souverän meistern.
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Am Abend kommt Herrchen nach Hause und lässt erstmal ein lautstarkes Donnerwetter los: „Na, du Racker, ich bin mal gespannt, was du wieder angestellt hast! So wie Du hier herumschleichst, hast du doch ein ganz schlechtes Gewissen!“. „Dieses Beispiel ist eine typische Vermenschlichung des Tiers, denn Hunde haben kein schlechtes Gewissen“, kontert Dr. Gronostay, Tierarzt mit Zusatzausbildung für Verhaltenstherapie. „Hier zeigt der Hund durch geduckte Körperhaltung, eingeklemmten Schwanz und angelegten Ohren ein beschwichtigendes Verhalten“. Dies deute nicht etwa auf ein „schlechtes Gewissen“ hin, sondern sei vielmehr „eine gelernte Reaktion auf das Verhalten seines Zweibeiners“. Denn der Hund habe offenbar die Erfahrung gemacht, „dass Herrchen meist mit aggressiven Drohgebärden und lautem ‚Gebelle’ die Wohnung betritt.“
Will Herrchen seinen Hund für eine Missetat tadeln, so müsse er das innerhalb der so genannten „Verknüpfungszeit“ tun. Die beträgt aber unter Alltagsbedingungen höchstens eine Sekunde. Für ein „Nein“ ist es nach einer Minute schon viel zu spät. „Der Hund kann eine Bestrafung dann längst nicht mehr mit seinem Fehler in Verbindung bringen“, stellt der Verhaltensexperte fest. Deshalb sei es völlig sinnlos, einen Vierbeiner auszuschimpfen, beispielsweise wenn er ausbüchst und erst nach mehreren Rückrufversuchen wieder zu Herrchen zurückkehrt oder wenn er während Herrchens Abwesenheit Schuhe zerbissen hat.
„Ein typisches Missverständnis ist die Annahme, dass Hunde, die mit dem Schwanz wedeln, immer freundlich gestimmt sind“, berichtet der Offenbacher Tierverhaltensexperte. Schwanzwedeln sei in erster Linie ein Zeichen der Erregung. Ob diese jedoch positiv oder negativ ist, zeigt sich erst bei genauem Hinsehen: Steht der Schwanz hoch oder tief, bewegt er sich kurz und schnell oder gleichmäßig?
Wer auf weitere Signale achtet, etwa ob zugleich die Körperhaltung angespannt und das Fell gesträubt ist, der kann die Botschaft des Hundes richtig interpretieren: „Achtung, gleich greife ich an!“. Hält der Hund jedoch „seinen wedelnden Schwanz tief und kommt mit gesenkten Kopf und angelegten Ohren auf seinen Besitzer zu, signalisiert er Friedfertigkeit, Freude und Unterwürfigkeit“, weiß der Hundefachmann.
Frauchen stört es gar nicht, wenn die ihre Hundedame aufs Sofa hopst. Im Gegenteil: Sie krault und beschmust Ihre Bella dann immer ausgiebig. Bei Herrchen hingegen herrscht striktes Sofaverbot. Ist Herrchen in der Nähe, schiebt Frauchen den schwarzen Zwergpudel vom Sofa, denn eigentlich darf er das ja nicht. Eines Tages springt die Pudeldame unaufgefordert auf Sofa als Frauchen in der Nähe ist und knurrt, als diese den Hund vom Sofa scheuchen will.
Frauchen staunt: „Na, der Hund ist aber frech geworden, jetzt verteidigt er seinen Platz gegen mich!“. Nein, „der Hund knurrt, weil er Angst hat“, entgegnet Hundeexperte Dr. Gronostay und erläutert: „Der Hund ist gestresst und überfordert vom unberechenbaren ‚Mal rauf, mal runter’. Er fürchtet sich in dieser Situation vor seinen Menschen, weil er nicht weiß, ob ihm sein Frauchen diesmal gut gesinnt ist oder ihn attackiert.“ In diesem Fall ist eine klare Absprache zwischen Herrchen und Frauen notwendig und ein konsequentes Einhalten der Abmachung notwendig.
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