09.04.2009, 09:41 Uhr | mou
Mit der Kür des Kaninchens zum "Versuchstier des Jahres 2009" machen Tierschützer auf die Lebensbedinungen des beliebten Heimtieres aufmerksam. (Foto: imago)Auf diese Ehrung würde jeder Hase liebend gern verzichten. Aber das Kaninchen steht nun mal nicht nur ganz oben auf der Liste der beliebten Heimtiere. Nach Maus und Ratte ist es das am häufigsten für Tierversuche eingesetzte Säugetier, an dem Medikamenten- und Chemikalienexperimente durchgeführt werden. Mit der Auszeichnung zum "Versuchstier des Jahres 2009" macht der Bundesverband "Menschen für Tierrechte" auf diesen Kontrast aufmerksam. Seit 2003 vergibt die Tierschutzorganisation den makabren Titel. Die Laudatio liefert keine Horrorbilder, sondern viele Informationen. Auch über Meister Lampes Leben in der freien Natur.
"Ich bin doch nicht dein Versuchskarnickel!" Wer das zu einem anderen Menschen sagt, fühlt sich meistens ganz schön ausgenutzt. Woran man dabei selten denkt, ist die Wahrheit, die im Spruch steckt. In diesem Fall ist sie nicht besonders schön: 100.000 Kaninchen werden nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums jährlich in Versuchslaboren zu Testzwecken eingesetzt.
Mit der Auszeichnung, die nach Javaneraffe, Muschelmaus und Ratte in diesem Jahr an das Kaninchen geht, soll nicht allein auf die Laborversuche an einer speziellen Tierart aufmerksam gemacht werden. In der Kampagne werden auch die bestehenden Möglichkeiten und Chancen einer tierversuchsfreien Forschung vorgestellt. Neben aktuellen Zahlen zur Situation der Labortiere, die das Ministerium jährlich veröffentlicht, finden Kaninchenfreunde auf der Seite auch Informationen über Kosmetika ohne Tierversuche.
Am Kaninchen werden in vielen Laborversuchen Wirkungen und Nebenwirkungen von Medikamenten getestet. (Foto: dpa)Die Kür des Kaninchens zum "Versuchstier des Jahres" soll in erster Linie an das erinnern, was auch viele Hasenliebhaber gerne mal vergessen: Es gibt eine Reihe von Tests am Kaninchen, die vermeidbar sind, weil sie entweder keinen gültigen Vergleich zum Menschen zulassen oder anerkannte Ersatzmethoden zur Verfügung stehen. So gebe es etwa für das Testverfahren zur fieberauslösenden Wirkung eines Medikaments schon längst ein tierversuchsfreies Ersatzverfahren, erklärt der Vorsitzende von "Menschen für Tierrechte", Dr. Kurt Simons.
Die tierversuchsfreie Ersatzmethode ist in ihrer Wirksamkeit anerkannt. Da aber die behördliche Genehmigung des alternativen Verfahrens noch nicht erfolgt ist, wird weiterhin am Kaninchen getestet. Ausgerechnet der Tierversuch für das Fiebermedikament, führt Simons fort, sei im Ergebnis nicht einmal aussagekräftig. Das Kaninchen reagiere in vielen Fällen anders auf den Stoff als der Mensch, und damit sei das Testergebnis hinfällig.
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