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Kaninchen: Viele Tiere werden in Massenzucht gequält

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Gequälte Kaninchen

02.08.2010, 14:45 Uhr | bri

Zwergkaninchen sollten nicht alleine gehalten werden.  (Foto: imago)

Zwergkaninchen sollten nicht alleine gehalten werden. (Foto: imago)

Zerfledderte Pfoten, angefressen Ohren und die Augen vereitert durch Ammoniak. Laut der Tierschutz-Stiftung Vier Pfoten sind das die Zustände in der Massentierhaltung bei Kaninchen. Den Tierschützern wurden Aufnahmen aus mehreren Betrieben in sechs europäischen Ländern zugespielt, darunter auch aus zwei Ställen in Deutschland. "Die Tiere haben nur die Fläche von einem DIN A-4-Blatt zum Leben", sagt Markus Pfeuffer, Agrar-Biologe bei der Stiftung. Mittlerweile haben einige Supermärkte schon reagiert und den Verkauf von Kaninchenfleisch gestoppt.


Die Kaninchen fressen sich gegenseitig

Aus welchen Farmen die Aufnahmen stammen, darf Vier Pfoten aus juristischen Gründen noch nicht veröffentlichen. Laut Pfeuffer stammt das Material aus einem Betrieb in Norddeutschland und in Süddeutschland und darüber hinaus aus Österreich, Ungarn, der Slowakei und Tschechien. Vier Kaninchen müssen sich einen Käfig teilen, auf dem Boden ist kein Stroh, sondern Draht, was in die Pfoten einschneidet. "Weil es so eng ist, werden die Kaninchen aggressiv und manchmal fressen sie sich gegenseitig", schildert Pfeuffer. Ammoniakdämpfe aus dem Kot der Kaninchen reizen die Augen, die dann eitern. "20 bis 30 Prozent verenden, bevor sie schlachtreif sind", so der Biologe.

Bio-Fleisch ist sicher

Laut Pfeuffer liegen keine Hinweise auf Medikamentenmissbrauch in den Ställen vor. Doch Silke Schwartau, Lebensmittelexpertin von der Verbraucherzentrale Hamburg warnt: "Bei derart artfremden Haltungsmethoden ist der übermäßige Einsatz von Medikamenten nicht auszuschließen und Rückstände von Antibiotika könnten dann nach wie vor in dem Fleisch sein, was beim Verbraucher auf dem Teller landet." Immerhin werden in Deutschland rund 24 Millionen Kaninchen pro Jahr verspeist. Laut Schwartau könne der Kunde beim Kauf nicht erkennen, ob ein Tier aus Massentierhaltung stammt oder nicht: "Es steht einfach nicht auf der Packung. Nur Bio-Siegel sind sicher, weil die Tiere aus Bio-Ställen artgerecht gehalten werden."

Verkaufsstopp in Supermärkten

Auch deutschen Lebensmittelhändlern hat Vier Pfoten die Filme vorgelegt. Einige haben bereits reagiert: Rewe, Edeka, Globus und Kaiser's Tengelmann verkaufen kein Kaninchenfleisch aus konventioneller Haltung mehr. Kaufland, Familia sowie Real prüfen derzeit ihre Zulieferer. Andere Händler haben noch nicht reagiert.

Keine Regelungen für Karnickel-Haltung

Laut Pfeuffer gibt es keine einheitlichen Regeln für die Haltung von Kaninchen. "Nur enge Drahtgitterkäfige rentieren sich in den Mastbetrieben. Für artgerechtes Hoppeln, Hakenschlagen und in der Erde buddeln ist da kein Platz", erklärt der Tierschützer. Die Stiftung appelliert an Verbraucherschutzminister Seehofer, etwas dagegen zu unternehmen. Auf Anfrage von t-online beim Verbraucherministerium hieß es: Derzeit gibt es Überlegungen einheitliche Standards einzuführen. Wie diese konkret aussehen und wann sie in Kraft treten, dazu äußerte sich das Ministerium nicht.


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Quelle: t-online.de

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