13.08.2010, 12:33 Uhr | jmi
Millionen Katzen in Deutschland haben kein Zuhause. (Foto: imago)
Abgemagerte, kranke Katzen, die herrenlos in Städten umherstreunen: Was viele aus dem Ausland kennen, ist längst auch in Deutschland Realität. Zwar gibt es keine genauen Zahlen, aber nach Schätzungen von Tierschutzorganisationen geht die Zahl der frei lebenden deutschen Katzen in die Millionen. Der Grund für die massenhafte Explosion der Straßenkatzen liegt oft bei sorglosen Haltern: Sie müssten Ihre Katzen rechtzeitig kastrieren.
Die meisten Straßenkatzen sind unterernährt und krank: Sie finden nicht genug zu fressen, sind nicht geimpft und können nicht vom Tierarzt behandelt werden. Dass die Straßenkatzen sich so stark vermehren, liegt maßgeblich an unkastrierten Hauskatern, die sich mit verwilderten Katzen paaren. Der Nachwuchs kommt auf der Straße zur Welt, die weiblichen Katzen sind schon mit fünf Monaten selbst geschlechtsreif und vermehren sich weiter – ein Kreislauf, der nicht endet. Hinzu kommen ungewollte Katzenjunge von Hauskatzen, die die überforderten Besitzer aussetzen – auch sie verwildern schnell und pflanzen sich ohne Kastration rasant fort.
Offizielle Angaben über die Anzahl der wild lebenden Katzen gibt es nicht. Die Schätzungen variieren, in Berlin soll es zwischen 40.000 und 100.000 Streunerkatzen geben. Die Tiernothilfe TASSO e.V. schätzt, dass in ganz Deutschland rund drei Millionen Katzen in alten Fabrikhallen, Gartenlauben, Hinterhöfen und Scheunen leben.
Um dem Katzenproblem Herr zu werden, rufen Tierschutzorganisationen regelmäßig zu Hilfsaktionen auf. Die "Aktion Tier" betreibt seit sechs Jahren das Straßenkatzenprojekt „Kitty“, das größte Projekt in Deutschland. "Kitty" wendet jährlich mehrere 100.000 Euro auf, um herrenlose Katzen zu kastrieren, sie medizinisch zu versorgen und zu füttern. "Deutschlandweit werden an hunderten, dauerhaft angelegten Kitty- Futterstellen mit selbstgebauten Schlafhäuschen tausende Straßenkatzen von ehrenamtlichen Mitarbeitern gefüttert und überwacht", berichtet Ursula Bauer von "Aktion Tier". So erhalten kranke Katzen schnelle Hilfe, potente Tiere können kastriert und Streunerbabys zur Vermittlung eingefangen werden."
Um die Zahlen der Streuner dauerhaft unter Kontrolle zu bringen, wollen die Organisationen sorglose Katzenhalter für das Problem sensibilisieren und setzen sich für eine Kastrationspflicht ein. Paderborn hat bereits 2008 als erste Stadt in Deutschland eine solche Verordnung durchgesetzt: Jeder Besitzer, der seine Katze oder seinen Kater aus dem Haus lassen will, muss das Tier vorher kastrieren lassen – sonst wird ein Bußgeld fällig. Mit Erfolg: Seitdem konnten die Tierärzte in der Region deutlich mehr Hauskatzen kastrieren, als in den Jahren zuvor.
Weitere Informationen:
aktion tier
Katzenhilfe Samtpfötchen e.V,
Bund für Tier- und Naturschutz in Ostwestfalen e. V.
Bundestierärztekammer
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jmi
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