20.08.2009, 15:24 Uhr | sum/ali
Qualvoll: Kaninchen in Massentierhaltung . (Foto: Deutscher Tierschutzbund)Vor allem in der Osterzeit ist der Kaninchenbraten als Festessen sehr beliebt. Doch was viele Verbraucher nicht wissen: Die Kaninchen, die als vermeintlicher Gaumenschmaus aufgetischt werden, haben ein qualvolles Leben hinter sich. Bisher gibt es laut Tierschutzbund keine Regelungen für die Kaninchenhaltung. Obwohl Supermärkte 2007 sogar Ware aus Massentierhaltung aus ihren Kühlregalen verbannt haben, hat sich laut Tierschützern an den Haltungsbedingungen nichts geändert.
Selbst in Stallungen von Funktionären des Bundesverbandes der Kaninchenfleisch und Wollerzeuger soll laut Tierschutzbund die grausame Haltung Alltag sei. "Das Leben der Kaninchen hat mit der Idylle von glücklich hoppelnden Tieren nichts zu tun", sagt Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes in Bonn. Wer sich nicht an millionenfacher Qual mitschuldig machen wolle, sollte auf den Kaninchenbraten verzichten.
Die typische Haltung der Mastkaninchen ist offenbar mit der von Legehennen in Käfigbatterien vergleichbar. Die Tiere sind in Drahtgitterkäfigen eingepfercht, in denen sie aller artgerechten Verhaltensweisen beraubt werden, so der Tierschützer. "Hoppeln" und "Männchen machen" seien den bewegungsfreudigen Tieren nicht möglich. Die grausamen Folgen: Verkrümmungen der Wirbelsäule und Gelenkprobleme. Die Drahtgitterböden und der zu geringe Platz fügen den Kaninchen enorme Schmerzen und Verhaltensstörungen zu. So kann es beispielsweise zu schmerzhaften Pfotengeschwüren und Gitternagen kommen. Auch tief rot entzündete Augen oder blutige Fehlgeburten seien Folgen dieser Quälerei, mahnen die Tierschützer.
Der Tierschutzbund fordert eine EU-weite Regelung der Haltungsbedingungen von Mastkaninchen. Doch die scheint in weiter Ferne: Seit 1998 arbeitet der Europarat an einer Empfehlung zur Kaninchenhaltung. "Es muss endlich eine gesetzliche Regelung her, damit die Kaninchenmast in Zukunft den Anforderungen des Tierschutzgesetzes gerecht wird", fordert Apel.
Viele Kaninchen verletzen sich in der Masttierhaltung. Deshalb werden ihnen Medikamente ins Futter gemischt. Silke Schwartau, Lebensmittelexpertin von der Verbraucherzentrale Hamburg warnt: "Bei derart artfremden Haltungsmethoden ist der übermäßige Einsatz von Medikamenten nicht auszuschließen und Rückstände von Antibiotika könnten dann nach wie vor in dem Fleisch sein, was beim Verbraucher auf dem Teller landet." Laut Schwartau könne der Kunde beim Kauf nicht erkennen, ob ein Tier aus Massentierhaltung stammt oder nicht: "Es steht einfach nicht auf der Packung. Nur Bio-Siegel sind sicher, weil die Tiere aus Bio-Ställen artgerecht gehalten werden."
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Quelle: t-online.de
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