01.09.2009, 16:18 Uhr | Claudia Ottilie
Selten und dick: Der Kakapo ist vom Aussterben bedroht. (Foto: Sam O' Leary)Diese Vögel gibt es nur hier! Das können die Neuseeländer von ihrer Heimat behaupten, denn nur dort gibt es auf Grund der abgelegenen Insel-Lage den grünen Nachtpapagei – Kakapo. Das neuseeländische Department of Conservation gab vor kurzem die Heimkehr von 26 Kakapo-Jungtieren auf die Insel Codfish Island bekannt, die damit ihren weltweiten Artbestand auf auf eine Stückzahl von 124 bringen.
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Vor ihrer Rückkehr in die Freiheit wurden die grün-braunen Vögel in einer Hand-Aufzuchtstation auf dem Festland aufgepäppelt. Die Leistung des Kakapo Recovery Teams besteht nicht nur in der Aufzucht und Überwachung des beinahe ausgestorbenen strigops habroptila - so die lateinische Bezeichnung des Kakapo. Vielmehr hat es ihm eine Überlebenschance geboten, indem es vor über 20 Jahren kleinere, unbewohnte Inseln von natürlichen Feinden wie Katzen, Hunden, Füchsen und Wieseln frei hielt, um dem flugunfähigen Vogel ein ungestörtes Leben an Land zu ermöglichen.
Erst in den 70er Jahren wurde der seltene Papagei in der zerfurchten Bergwelt des neuseeländischen Fjordlandes wiederentdeckt. Sofort flog man die pummeligen Vögel auf weiter entlegene Inseln, wo sie nicht Opfer vom Menschen eingeschleppter Räuber werden konnten. Ein 1982 erwirkter Rettungsplan sollte die bis dahin auf 22 Exemplare geschrumpfte Population vor dem Aussterben bewahren. Noch heute gilt das Ziel, so lange zu züchten, bis 150 erwachsene Papageihennen zur Verfügung stehen, um den Artbestand zu garantieren.
Mit ihrer Seltenheit und ihrem kuriosen Charakter haben die Kakapos 1987 auch die Aufmerksamkeit von Science-Fiction-Autor Douglas Adams (Per Anhalter durch die Galaxis) erregt, der ihnen sogar ein Kapitel in seinem Buch Die letzten ihrer Art widmete. Adams stellte damals humoristisch, aber treffend fest: „Als einem mit diesem Vogel konfrontierten Nicht-Zoologen drängte sich mir die Frage auf, ob sich die [...] Natur diesen Vogel nicht einfach am Rande ausgedacht hat.“Zu Adams Verteidigung muss man sagen, dass der Kakapo nicht nur mit einem fäkal assoziierenden Namen geschlagen ist, sondern auch auf anderen Gebieten seiner Existenz keine besonders gute Figur macht.
Der Kakapo ist der größte und fetteste Papagei der Welt. Dazu ist er flugunfähig, kann sich nicht gegen Feinde verteidigen und vermehrt sich auf solch komplizierte Weise, dass es ein Wunder ist, überhaupt noch Kakapos vorzufinden. Schuld ist die Natur selbst, die es einrichtete, dass die Papageien-Weibchen nur dann in Wallung geraten, wenn die ebenfalls recht seltene Rimufrucht (eine Eibenart) reif ist. Da dies nicht jedes Jahr geschieht, kann auch der Vogel nicht jedes Jahr etwas geschehen lassen. Nur alle drei bis vier Jahre legt die Henne daher ein Ei. Selten sind es mehr als eins. Sollte das eine Ei in seinem Bodennest überleben, kann das Küken zu einen bis zu 60 Zentimeter großen und bis zu drei Kilogramm schweren Papagei heranwachsen
Der Kakapo-Hahn wird im zarten Alter von fünf Jahren das erste Mal all sein Gewicht in eines der bizarrsten Balzrituale des Tierreichs legen. Der Kakapo sitzt dabei in einer Erdkuhle, plustert – für Papageien einmalig – die Luftsäcke an seinen Brustseiten auf und presst dabei bassartige Töne in die Nacht. Diese schaurige Tonkulisse, die an Herzklopfen erinnert, erschallt über mehrere Monate allnächtlich durch die Lüfte der neuseeländischen Inselwelt, woraufhin die Hennen auf die Geräuschquelle zumarschieren.
Allerdings scheint das Herzklopfen von überall herzuschallen, denn die Hähne hocken meist an einer Steilwand, von wo die „boom“-Wellen in alle Richtungen getragen werden. So manches Weibchen kommt daher gar nicht erst am Nest des Männchens an. Und wenn es zwar das Ziel erreicht, aber unreife Rimufrüchte geboten bekommt, war das Geschrei des Hahns umsonst. Eine Tragikomödie aus dem Tierreich, die einen Auftritt des Menschen scheinbar erfordert. Unter diesen Umständen darf der Mensch stolz sein, wenn die letzten vier komischen Vögel des großen Wurfs von 2009 ausgewildert werden können.
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