06.01.2009, 11:03 Uhr | dpa/bri
Schneeleopard "Emba" mit seiner Ziehmutter Ellen Hinz. (Foto: dpa)Die Schneeleopardin "Emba" streicht durch ihr Gehege im Rostocker Zoo. Wie eine Hauskatze reibt sie ihren schmalen Körper mit dem gräulich-beigefarbenen Fell an Tierpflegerin Ellen Hinz. Die beiden haben seit Mai vergangenen Jahres eine besondere Beziehung, "Emba" wurde mit der Flasche aufgezogen. Wenige Tage nach ihrer Geburt bekam sie eine Virusinfektion. Deshalb musste die Katze täglich behandelt werden, was aber die Mutterkatze nicht zugelassen hätte.
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"In den ersten Lebenstagen verlief die Entwicklung Embas völlig normal", erzählt Hinz, die inzwischen mit ihrem Schützling auf Werbepostern der Stadt überall in Rostock zu sehen ist. Nach wenigen Tagen bemerkte sie aber, dass die Entwicklung des handtellergroßen Schneeleoparden stockte. "Nichts ging mehr." Darum fiel im Team die Entscheidung, das noch namenlose, gut 500 Gramm schwere Tier von der Mutter zu trennen und Ellen Hinz mit der Aufzucht zu betrauen. Ein für Mecklenburg-Vorpommern bislang einmaliges Projekt begann, es läuft im Rahmen des Europäischen Zuchtprogramms (EEP).
Anders als beim Berliner Eisbären "Knut" verlief die Aufzucht der Schneeleopardin "Emba", die ihren Namen nach einem asiatischen Fluss erhielt, abseits der Öffentlichkeit. "Emba" war Tag und Nacht bei ihrer Ersatzmutter, auch zu Hause im Rostocker Umland. "Die Nachbarn wussten Bescheid, sonst niemand", sagt Hinz. Das kleine Fellbündel bekam eine spezielle Milch, zunächst neunmal täglich. Aber im Gegensatz zu anderen Raubkatzen wie Löwen, die problemlos in der Aufzucht sind, gestaltete sich die Ernährung "Embas" als äußerst schwierig, viel Fingerspitzengefühl war nötig. "Ich musste ihr das Trinken erst beibringen", sagt Hinz und lässt damit erahnen, wie viel Arbeit und Geduld sie investieren musste. Unterstützung bekam sie von der ganzen Familie, inklusive des Hauskaters. "Er übernahm die Vaterrolle und brachte 'Emba' einige Meerschweinchen."
Eine Handaufzucht von Schneeleoparden ist nach Worten der Tierärztin Katja Brase aus Hannover etwas ganz Besonderes und extrem selten. "Die großen Anstrengungen rentieren sich für jedes einzelne Tier, das am Leben erhalten wird", sagt Brase, die ihre Doktorarbeit über die vom Aussterben bedrohte Tierart geschrieben hat. Schätzungen der Naturschutzorganisation NABU zufolge leben weltweit in Zoos rund 300, freilebend in den Bergen Zentralasiens etwa 3300 Tiere. Zootiere werden allgemein als Reservepopulationen für vom Aussterben bedrohte Tierarten betrachtet, sagt Antje Zimmermann, Kuratorin im Rostocker Zoo. In der Heimat der Schneeleoparden gibt es Auswilderungsprojekte.
Beheimatet ist der Schneeleopard in zwölf Ländern Zentralasiens. "Jedes Tier hat dort einen Lebensraum von mehreren hundert Quadratkilometern", sagt Brase. Immer noch werden die Tiere gejagt. Der "König der Berge" ist vor allem wegen seines schönen Fells und der nachgesagten Heilkräfte seiner Knochen gefragt. Zwischenhändler zahlen mehr als 10 000 Dollar (etwa 7400 Euro) an Wilderer, um die Tiere nach China verkaufen zu können, berichtet der NABU. Inzwischen sei auch die organisierte Kriminalität in das lukrative Geschäft mit Fellen, Knochen und lebenden Exemplaren eingestiegen. Schneeleoparden gelten nach Angaben des Naturschutzbundes als die am stärksten bedrohte Großkatzenart der Erde.
Derzeit wird "Emba" abseits des Publikums an ihre Eltern "Shila" und "Ischtvan" gewöhnt. "Das ist bei diesen Tieren, die als Einzelgänger leben, nicht einfach", sagt Hinz. Die Tierpflegerin ist täglich mit ihr im Gehege unterwegs - aber nur, wenn die Mutterkatze das will und in ihr Haus geht. "Sie ist sehr eigenwillig", fährt Hinz fort. "Emba" sei aber jetzt in dem Alter, in dem sie jederzeit sagen kann: "Halt stopp! Ich bin ein Raubtier und wenn ich will, greife ich Dich an." Deshalb hat sie auch nichts von ihrer Mutter zu befürchten. Ellen Hinz und "Emba" sind nun in der Phase der Ablösung, vom Zauber des kuscheligen Fellbündels ist bei der Schneeleopardin nur noch wenig zu sehen. In gut einem halben Jahr wird sie ausgewachsen sein. Die Verantwortlichen hoffen, mit der Aufzucht "Embas" und weiterer Schneeleoparden einen Beitrag zum Erhalt dieser Tierart leisten zu können.
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dpa/bri
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