26.02.2009, 14:34 Uhr | ali
Sollten Schäferhunde vom Gesetzgeber als Kampfhunde eingestuft werden? (Foto: imago)Familienfreundlich, kinderlieb und gut erziehbar - Eigenschaften, die den Schäferhund zu einem beliebten Haushund machen. Aber die aktuelle Beißstatistik, die vom hessischen Innenministerium intern erstellt wurde, spricht eine andere Sprache. Demnach führt der Schäferhund die Liste der Unfälle an. Die Statistik für die Jahre 2004 bis 2007 dokumentiert, wie viele Menschen durch welche Rassen verletzt wurden. Damit bekommt die schon lange Zeit schwelende Diskussion, ob Schäferhunde per Gesetz als Kampfhunde klassifiziert werden sollen, wieder neue Nahrung.
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Die Statistik des hessischen Ministeriums belegt, dass immer mehr Beißattacken von Schäferhunden registriert werden. Von dieser absoluten Zahl sollte man sich jedoch nicht täuschen lassen. Denn: Schaut man sich die Einträge in die Zuchtbücher an, verzeichnet der Schäferhund mit Abstand die meisten Welpenzahlen. "Der Schäferhund ist der meistverbreitete Hund in Deutschland", so Udo Kopernik, Sprecher des Verbands für das Deutsche Hundewesen (VDH). Kopernik hält wenig von solchen Rasselisten, wie sie das hessische Innenministerium erstellt. „Aggressives Verhalten lässt sich nicht an der Rasse festmachen“, so der Verbandssprecher weiter. Es sei ein falsche Signal der Länder, Hunde pauschal abzuurteilen. Besser sei es, sich sowohl das Individuum Hund als auch das Individuum Mensch genauer zu betrachten.
Kopernik mahnt: Wird ein Hund auffällig, wird er auch meist nicht von einem durchschnittlichen Hundehalter gehalten. Da lohnt ein genauerer Blick aufs Herrchen. Wenn in der Umgebung alles hundegerecht ist und der Hund regelmäßig die Hundeschule besucht, zeigt er kein auffälliges Verhalten. Greift ein Hund etwa ein Kind an, hat er im Vorfeld oft schon zig andere Hunde gebissen. "Es wäre eine Verordnung wünschenswert, die das Individuum des Hundes sowie die des Halters auf den Prüfstand stellt," so Kopernik. Kampfhund bedeute gleich Stigmatisierung einer gesamten Rasse, die zu nichts führe.
"Gefährliche Hunde" hält Kopernik für die bessere Bezeichnung als den Begriff "Kampfhund". Noch präziser sei die englische Bezeichnung "Pitbull". Die vier Terrierrassen American Staffordshire Terrier, der Bullterrier, der Staffordshire Bullterrier und der Pitbull, die gemeinhin als Kampfhunde gelten, seien nur zu Belustigung der Menschen gezüchtet worden. Sie sollen sich gegenseitig angreifen. Auch bei diesen Hunden käme es bei strenger Erziehung und konsequenter Ausbildung kaum zu übergriffen auf den Menschen.
Heiko Christian Grube, Sprecher des Vereins der Deutschen Schäferhunde SV fordert ausdrücklich die Ausbildung auf beiden Seiten der Leine. Das der Schäferhund die Liste anführt, sei für ihn keine Überraschung. "Es gibt etwa 250.000 reinrassige deutsche Schäferhunde", so Grube. Jedes Jahr ergebe das etwa 20.000 Welpen. Damit sei die Population so groß wie bei keiner anderen Hunderasse. Wenn ein Unfall mit einem Hund passiert, erkennen Ordnungshüter und Opfer die Hunderasse oft nicht. Mit unzureichenden Beschreibungen wie "Spitze Ohren, groß, beige-braun - war sicher in Schäferhund", wird der Unfallhund als "Schäferhund" in die Anzeige aufgenommen.
Dabei ließe sich Unfälle von vorne herein vermeiden. "Je besser ein Schäferhund abrufbar ausgebildet ist, desto besser ist der Schutz." Grundsätzlich müsse das Verständnis zwischen Hunde und Menschen geschult werden, so Grube weiter. Haltung, Fütterung und Erziehung in Abstimmung mit der Wesensart des Hundes sei dabei wichtig. "Hund und Mensch müssen ein System sein", so Grube. Dabei sei oft das hintere Ende der Leine das größere Problem als der Hunde selbst.
Um präventiv gegen die Unfälle anzugehen, seine auch die Gemeinden gefordert, so Grube. Die Gemeinden sollten bei allen Rassen auf eine Begleithundprüfung bestehen. Die Senkung des Hundesteuer könnte Hundehalter bewegen, die Prüfung zu absolvieren. Dabei werden Hunde und der Mensch im sozialen Kontext betrachtet. Es wird geprüft, ob das Tier natürlich und artgerecht gehalten wird. Zudem sind eine kontrollierte und qualitativ hochwertige Zucht sowie ein umfassende Ausbildung von Tier und Mensch die besten Strategien für eine wirksame Unfallprävention.
Hundecoach Perdita Lübbe, Inhaberin der Hunde-Akademie sagt: "Jeder Hund kann aggressiv werden. Wenn ein Hund wenig Sozialkontakt hat, dann muss er nach und nach wieder eingegliedert werden. Es liegt an dem Menschen selbst. Er muss führen." Diese ganze Diskussion sollte mit Bedacht geführt werden, so Perdita Lübbe weiter. Denn die Vorzüge eines Schäferhundes, auch wenn man keine Pauschalaussage treffen könne, lägen auf der Hand.
Auch in einem Schäferhund läge eine solche Aggressivität nicht von Natur aus. Der Schäferhund ist ein Hütehund und treibt die Schafe zusammen. Er verteidigt sie nicht gegen Gegner. Das übernehmen so genannte Hirtenschutzhunde wie etwa der Kangal. Der Schäferhund passt auf, dass seine Herde zusammenbleibt. Zudem verfügt er über Eigenschaften, die ihn zu einen gefügigen Begleiter machen. Neben der großen Führigkeit, ist seine Fähigkeit, mit Menschen zusammenzuarbeiten außergewöhnlich, so Lübbe. Aber auch Arbeitsbereitschaft, Ausdauer, Schnelligkeit und einfach Erziehbarkeit gehören zu den Merkmalen, die einen Schäferhund auszeichnen.
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