03.03.2010, 12:08 Uhr | ug
Hunde haben häufig Angst vor dem Tierarzt. (Foto: Imago)Schweißnasse Pfoten, schneller Atem, geduckte Körperhaltung: Wie ihre Herrchen haben viele Haustiere im wahrsten Sinne des Wortes "tierische Angst" vorm Besuch beim Tierarzt. Kaninchen oder Meerschweinchen verkriechen sich in die hinterste Ecke ihres Käfigs, Katzen nehmen bereits zu Hause beim Anblick ihrer Transportbox Reißaus und manche Hunde betreten die Tierarztpraxis nur zitternd und mit angelegten Ohren. Das können Sie ihrem Haustier ersparen. Wir haben Experten nach Tipps und Psychotricks gegen die Angst vor dem Tierarzt gefragt.
"Viele Katzen bekommen auf dem Behandlungstisch regelrecht schweißnasse Pfoten oder haben durch den Adrenalinausstoß extrem geweitete Augen," beschreibt Tierpsychologin Eva Kinne die Symptome. "Angst bei Hunden erkennt man an ihrer geduckten Körperhaltung, anliegenden Ohren oder der eingeklemmten Rute", sagt die Expertin. Das Problem, das dahintersteckt: Sie verbinden mit dem Besuch beim Tierarzt etwas Schlimmes. "Um ihnen die Angst zu nehmen, sollten Besitzer ihrem Tier nicht gleich eine schmerzhafte Behandlung wie einem Impftermin antun", warnt die Expertin.
Stattdessen sollten Besitzer darauf achten, bereits mit Jungtieren oder Hunden im Welpenalter immer wieder zum Tierarzt zu gehen. "Am Anfang auch ohne dass zwangsläufig eine Behandlung stattfindet", so die Expertin. "Wer regelmäßig vor Ort mit seinem Tier vorbeischaut und beispielsweise ein Leckerli gibt, schafft beste Voraussetzungen, "damit Dramatik beim Tierarzt erst gar nicht entsteht." Auch zu Hause können Tierhalter vorbeugen, in dem sie regelmäßig die Rituale, die bei einer Untersuchung auf das Tier zukommen, trainieren: "Ohren nachgucken, Zähne kontrollieren oder Pfoten untersuchen - daran sollten sich die Tier von klein auf gewöhnen", so die Expertin. Ob beim Üben oder in der Praxis: Verhalten sich die Vierbeiner brav und geduldig, ist Lob und Belohnung das Wichtigste: "Leckerli sind das einfachste Mittel, sie bedeuten bei Hunden und Katzen eine enorme Motivation", erklärt Kinne.
Besonders Katzen reagieren schon beim Transport zum Arzt mit Panik. Daher sollte der Katzenkorb oder die Transportbox immer in Reichweite der Katze stehen. "So lernt die Katze, dass nicht jedes Betreten des Korbes mit einer Fahrt zum Tierarzt endet", sagt die Expertin. Beim Üben gilt: "Bloß nicht zwangweise versuchen, die Katze hineinzustecken", warnt Kinne. Auch wenn es Geduld kostet, sollten Tierhalter warten, bis der Vierbeiner selbst hineingeht. Der Tipp der Expertin: "Gestalten Sie den Katzenkorb positiv, in dem Sie darin eine Decke und Futter auslegen." So wird Ihre Katze es nicht als Bedrohung empfinden. Auch wenn kein Tierarztbesuch ansteht, sollte der Katzenkorb ab und an im Wohnzimmer stehen, damit das Tier die Transportbox nicht automatisch mit dem Arztbesuch in Verbindung bringt.
Miaut oder jault das Haustier dennoch auf dem Weg zum Arzt oder im Wartezimmer, gilt: "Auf gar keinen Fall darauf reagieren. Sonst fühlt Sie sich das Tier in seinem Verhalten bestärkt und stellt es nicht ab." Denn die Tiere erkennen nicht unbedingt, ob es sich bei einem Satz wie "Ist doch gut", um Mitleid oder Lob handelt. Besser ist es daher, wenn das Tier sich von selbst beruhigt. "Erst dann sollten Sie es wieder mit ruhiger und etwas höherer Stimme ansprechen, keinesfalls im aggressiven Ton."
Hat sich bei erwachsenen Tieren die Angst vor dem Tierarzt bereits etabliert, können zur Beruhigung homöopathische Mittel oder Bachblüten verabreicht werden, rät die Stiftung für Tierschutz "Vier Pfoten". "Einige Tierärzte verwenden in ihrer Praxis sogenannte Pheromone. Diese synthetisch hergestellten Duftstoffe können bei Hunden und Katzen eine beruhigende Wirkung auslösen, insbesondere, wenn sie zwischen den einzelnen Patienten eingesetzt werden, um die Angstgerüche des Vorgängers zu beseitigen." Allerdings sollten derartige Mittel nur nach Absprache mit dem Tierarzt angewendet werden.
Für Tierbesitzer selbst gilt: Seien Sie ein entspanntes Vorbild. Sie sollten selbst Ruhe ausstrahlen, darauf achten, ihren Puls ruhig zu halten und mit gelassener Stimme zu sprechen. Vermeiden Sie Körperanspannung wie verkrampfte Hände. Sie jagen ihrem Tier noch mehr Angst ein. "Denn negative Emotionen wie Unruhe oder Aufregung beim Besitzer überträgt sich auf das Tier", erklärt die Tierpsychologin.
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