09.05.2008, 15:34 Uhr | Susanne Reininger
Küsst Herrchen die Freundin, wird Waldi eifersüchtig. (Foto: Imago)Was ist bloß mit Tara los? Die sonst so friedfertige Schäferhündin bellt aufgeregt und drängt sich jedes Mal dazwischen, wenn Kai seine neue Freundin umarmt. Als sich das frisch verliebte Pärchen das erste Mal in Kais Junggesellenbude im Frankfurter Nordend traf, fand es das „eifersüchtige“ Verhalten des Hundes noch niedlich. Nun aber nervt Tara nur noch, stört die traute Zweisamkeit der Zweibeiner bei jeder Gelegenheit und zerbeißt neuerdings sogar die Schuhe des unwillkommenen Damenbesuchs. Was tun, wenn der Hund so eifersüchtig reagiert?
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„Aus menschlicher Sicht wird dieses Verhalten als Eifersucht interpretiert, tatsächlich aber hat der Hund ein Ressourcenproblem“, weiß Corinna Dehn, Tierärztin für Verhaltenstherapie. Für einen Vierbeiner sei neben Futter, Wasser, Schlafplatz und Territorium auch das Herrchen eine wichtige Ressource, nämlich als Sozialpartner. „Ist Herrchen oder Frauchen Single, steht meist auch der Hund im Mittelpunkt“, erläutert die Tierexpertin aus Offenbach. „Fordert der Vierbeiner zum Beispiel mit einem Schnauzenstups ein Leckerchen oder eine Streicheleinheit, reagiert Herrchen prompt und belohnt dieses Verhalten mit der gewünschten Aufmerksamkeit.“
Steht die „Ressource Mensch“ dem Hund jedoch nicht mehr ständig zur Verfügung, fordert er sie umso nachdrücklicher ein und verteidigt sie eventuell auch gegenüber vermeintlichen Konkurrenten. Der Hund hat in dieser Situation meist massiv Stress. „Das kann sich von Bellen und Jaulen über Teppich zerbeißen oder typische Stressverhalten wie Aufreiten äußern und zu direkten Drohgebärden steigern, etwa wenn der Hund frontal auf jemanden zu rennt und mit der Schnauze stößt“, so Dehn.
„Zeigt ein Hund ein so deutliches Drohverhalten, kann es gefährlich werden und auch kleine Vierbeiner wie etwa ein Jack Russel Terrier zur Bedrohung werden, vor allem für Kinder“, warnt die Tierexpertin. Denn meist entwickeln sich „Ressourcen“-Konflikte zwischen Hund und Herrchen auch, wenn die Familie Nachwuchs bekommt. In den ersten Monaten entstehe oft „nur“ eine Konkurrenz um Aufmerksamkeit. Komme das Baby aber ins Krabbelalter, konkurriere es aus Hundesicht auch um Spielzeug, Schlafplatz und Futter. „Wenn ein Baby kommt, heißt es dann oft ‚weg mit dem Tier’, doch werden Konflikte rechtzeitig erkannt und konsequent gelöst, ist ein entspanntes Miteinander durchaus möglich“, glaubt die Hundetrainerin.
Bei der Anschaffung eines Familienhundes solle man sich daher auch nicht vom Äußeren verleiten lassen, sondern sich eingehend mit den Charaktereigenschaften der Rasse vertraut machen. Denn nicht jeder Hund eignet sich als Familienhund. Und nicht jeder vierbeinige Begleiter, den man sich als Single zugelegt, ist später ein unkompliziertes Familienmitglied. „Einerlei welchen Charakter ein Vierbeiner besitzt, wichtig ist ein entspanntes und klares Verhältnis zwischen Herrchen und Hund“, betont Corinna Dehn. „Dabei sollte der Hund nicht im Mittelpunkt der Gruppe stehen und immer prompt alle Wünsche von Bruno, Ayla oder Tara erfüllt werden“!
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Susanne Reininger
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