05.05.2008, 11:37 Uhr | ug, dpa
Das Plakat des Deutschen Tierschutzbunds zur Kampagne Ferkelprotest (Grafik: Deutscher Tierschutzbund) (Quelle: imago)Das ist mehr als eine Schweinerei: "In Deutschland werden jährlich über 20 Millionen Ferkel betäubungslos kastriert", sagt Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierbundes. In der EU sind insgesamt sogar etwa 100 Millionen Tiere betroffen. "Eine absolute Tierqual", so Apel, denn den Tiere bekommen bei vollem Bewusstsein und vollem Schmerzempfinden mit einem scharfen Messer die beiden Hoden entfernt. Laut dem Deutschen Tierschutzgesetz ist diese Qual legal. Der Deutsche Tierschutzbund will das Kastrieren von Schweinen ohne Betäubung eindämmen und startet am 6. Mai eine Protestaktion zur Änderung des Gesetzes.
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"Die betäubungslose Kastration muss sofort verboten werden", fordert Apel. "Bei Hunden oder Katzen würde niemand eine solche Tortur zulassen – die Ferkel leiden millionenfach – und das immer noch gesetzlich legitimiert“, so Apel. Bis zum Alter von sieben Tagen dürfen die Ferkel demnach ohne Betäubung kastriert werden. Hauptgrund für diese schmerzhafte Prozedur: Der Eingriff soll helfen, den später entstehenden Ebergeruch zu verhindern - und eine damit einhergehende Geschmacksveränderung des Fleisches. Die Methode mit Betäubung hat keinen Einfluss auf die Fleischqualität – zwischen Kastrationszeitpunkt und Schlachtung liegt fast ein halbes Jahr.
Für den so genannte Ebergeruch verantwortlich sind die Sexualhormone Androstenon und Skatol: Beide Stoffe werden beim Eber im Hoden zusammen mit dem Geschlechtshormon Testosteron produziert. Bereits im Ferkelalter startet diese Synthese und steigt während der Wachstumsphase - besonders ab einem Gewicht von etwa 90 Kilogramm - an. Die Folge: Beim Erhitzen des Fleisches kann Androstenon entweichen und einen schweiß- und urinähnlichen Geruch verursachen. Dieser wird zwar nur zum Teil von Verbrauchern wahrgenommen, dann aber mitunter als sehr unangenehm empfunden.
Doch was kann man als Verbraucher tun, um das Leiden der Tiere zu bekämpfen? Der Appell der Tierschützer: "Verzichten Sie auf Schweinefleisch oder kaufen Sie es nur, wenn Sie sicher sein können, dass die Ferkel unter Narkose kastriert wurden". Ein Positiv-Beispiel: Der Öko-Anbieter Neuland hat seit dem 1. Mai 2008 seine Kastrationsmethoden umgestellt. Die Ferkel erhalten bei allen zugehörigen Landwirten eine Kurzzeitvollnarkose. Das verwendete Narkosegas Isofluran wird auch bei Menschen verwendet. Zudem bekommen die Tiere nach Angaben des Tierschutzbundes ein Mittel verabreicht, das die Schmerzen nach dem Aufwachen mindert. Rund 32 Betriebe kastrieren rund 13.500 Ferkel pro Jahr nach diesen Vorgaben.
Der Deutsche Bauernverband verweist auf fehlende praxistaugliche Verfahren und auf die Kosten. Die deutschen Schweinehalter klagen derzeit über stark gesunkene Preise. Der Bauernverband hatte deshalb vor Existenznöten gewarnt. In der Schweiz ist vom 1. Januar 2009 an die Kastration von Ferkeln ohne Betäubung verboten. Als Alternative wird auch eine Impfung gegen Ebergeruch getestet.
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