16.12.2008, 12:13 Uhr | dpa / jlu
Bärentrainer Dieter Kraml und Bärin Nora verstehen sich. (Foto: dpa)Ganz gleich ob "Der Bulle von Tölz" oder "Wetten, dass...?": Wenn in deutschen TV-Produktionen Bären auftauchen, handelt es sich mit großer Sicherheit um die Tiere von Dieter Kraml. Der Bärentrainer aus dem südniedersächsischen Alfeld lebt und arbeitet seit fast 40 Jahren mit den pelzigen Wildtieren. Bundesweit Schlagzeilen machte er 2006, als er mit Weibchen Nora den vom Abschuss bedrohten bayerischen "Problembären" Bruno anlocken und retten wollte. In der Nähe seines Heimatortes baut er derzeit einen Umwelt- und Bärenpark.
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Die großen Hände, die fast wie richtige Pranken aussehen, fallen an Tiertrainer Kraml als erstes auf. "Manchmal fühle ich mich beinahe wie ein Bär", sagt der Bärenlehrer. Seine acht bis zu 2,40 Meter großen Bären sind für ihn Lebenspartner. Manchmal dürfen sie sogar mit ins Haus. "Ich habe sie noch keinen Tag alleingelassen", sagt Kraml. Die 280 Kilo schwere Bärin Nora zum Beispiel sitzt dann neben ihm auf der Holzbank und versucht dabei immer wieder die Tischdekoration anzuknabbern.
Kramls Bären sind Allround-Künstler. Nora fährt gern Jeep, kann Bälle fangen oder eine Kühlschranktür öffnen. Ihre Schwester Hera läuft zutraulich wie ein Hund bei Fuß. "Der 420 Kilo schwere Max verkauft seine Schönheit und Robert kokettiert gerne", beschreibt Kraml seine Schützlinge. Schon früher waren Kramls Bären Stars. Unter anderem traten seine tapsigen Lieblinge in Roman Polanskis "Macbeth" (1971) auf, spielten an der Seite von Jean-Paul Belmondo in "Das As der Asse" (1982) sowie in Jean-Jacques Annouds Meisterwerk "Der Bär" (1988).Derzeit sind die Bären noch in Käfigen untergebracht. Deswegen fährt Kraml mit ihnen jeden Tag in ein Freigehege. Zudem stehen Auslauf und Trainingseinheiten in einer Wellblechhalle neben dem Haus des Tiertrainers an. "Die Anregungen sind sehr wichtig", erklärt der 62-Jährige. Er zwinge die Tiere zu nichts, betont Kraml. "Ich fördere ihren Spieltrieb."
"Bären sind sehr gelehrig. Sie tun für Futter alles", sagt Lydia Kolter, Bärenexpertin des Europäischen Zooverbandes. Die promovierte Zoologin hält es allerdings nicht mehr für zeitgemäß, Bären Kunststücke beizubringen und sie so nah an Menschen zu lassen. "Es sind Tiere, die sehr gefährlich werden können. Man sollte Wildtiere deshalb nur halten, damit sie als Botschafter etwas über ihre wilden Artgenossen erzählen", meint Kolter, die im Zoo Köln arbeitet.
Aus Kramls Sicht bekommen die Bären bei ihm aber mehr Anregungen als im Zoo. Dem Tiertrainer liegen neben den Bären auch die Menschen am Herzen. So legt er großen Wert auf die Naturschutz-Erziehung von Kindern und Jugendlichen. Möglichst im kommenden Jahr will der Tiertrainer auf einem zehn Hektar großen Wald- und Wiesenareal einen Naturpark eröffnen. "Am Computer kennt sich jedes Kind aus, in der freien Natur kaum noch", bedauert er.
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